Mein erster Urlaub ohne Alkohol

Mein erster Urlaub ohne Alkohol

Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn so genießen würde

Ein Erfahrungsbericht von Jessica

Als ich meinen ersten Urlaub in Abstinenz plante, hatte ich ehrlich gesagt ziemlich gemischte Gefühle. Ich freute mich auf Sonne, Meer und ein paar Tage Abstand vom Alltag. Gleichzeitig hatte ich Angst davor, dass mir etwas fehlen würde.

Was sollte ich abends auf der Terrasse trinken? Würde ich den Sonnenuntergang ohne ein Glas Wein überhaupt genießen können? Und was würde ich machen, wenn am Nachbartisch ständig Menschen mit Cocktails und Wein sitzen?

Heute kann ich darüber ein bisschen schmunzeln. Denn mein erster Urlaub ohne Alkohol war anders, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Und vor allem: Er war wunderschön.

Die erste Überraschung: Ich war morgens einfach wach

Schon am ersten Morgen bemerkte ich etwas, das für mich ungewohnt war. Ich war früh wach und fühlte mich gut.

Kein trockener Mund. Kein dumpfer Kopf. Kein Grübeln darüber, ob ich am Vorabend vielleicht doch zu viel getrunken hatte. Und vor allem keine dieser ersten Gedanken nach dem Aufwachen: „Was habe ich eigentlich alles getrunken?“

Ich bin einfach aufgestanden, habe die Balkontür geöffnet und bin mit meinem Kaffee nach draußen gegangen.

Die Luft war noch angenehm kühl, die ersten Menschen waren unterwegs und irgendwo in der Nähe hörte ich bereits die ersten Vögel.

Ich saß da und dachte: So fühlt sich also ein Urlaubsmorgen an.

Und plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ich etwas zurückbekommen hatte, von dem ich gar nicht bemerkt hatte, dass ich es verloren hatte: meine Morgen.

Meer, Sonne und ein klarer Kopf

Früher gehörte Alkohol für mich irgendwie zum Urlaub dazu. Ein Getränk am Strand, später noch eines an der Strandbar und abends vielleicht Wein zum Essen. Es gehörte einfach zum „Urlaubsgefühl“.

Dieses Mal war der Strand trotzdem wunderschön.

Vielleicht sogar noch schöner.

Ich konnte morgens ins Wasser gehen, ohne vorher überlegen zu müssen, wann ich das letzte Getränk hatte. Ich konnte stundenlang spazieren gehen und mich dabei richtig fit fühlen. Und wenn mir danach war, bin ich einfach wieder ins Meer gegangen.

Ich habe plötzlich Kleinigkeiten wahrgenommen, die ich früher wahrscheinlich übersehen hätte: das Geräusch der Wellen, den Geruch von Sonnencreme, das warme Holz der Strandpromenade unter meinen Füßen und diese unglaublichen Farben kurz vor Sonnenuntergang.

Ich weiß, das klingt vielleicht kitschig. Aber ich hatte tatsächlich das Gefühl, wieder viel mehr im Moment zu sein.

Mein erster alkoholfreier Sonnenuntergang

Vor dem Urlaub hatte ich besonders vor den Abenden Respekt.

Ich stellte mir vor, wie ich am Meer sitze und alle anderen ein Glas Wein oder einen Cocktail vor sich stehen haben. Ich dachte, dass mir genau dieses Ritual fehlen würde.

Also bestellte ich mir an meinem ersten Abend einen alkoholfreien Cocktail.

Er kam in einem wunderschönen Glas, mit Eiswürfeln, Limette und frischer Minze. Ich setzte mich auf die Terrasse und sah zu, wie die Sonne langsam unterging.

Und dann passierte etwas Überraschendes:

Ich vermisste den Alkohol überhaupt nicht.

Der Sonnenuntergang war schließlich nicht im Wein.

Das Meer war nicht im Cocktail.

Und die Wärme des Abends kam auch nicht aus einem Glas.

Das alles war einfach da.

Ich habe wieder richtig gegessen

Auch beim Essen hat sich mein Urlaub verändert.

Früher war Alkohol für mich fast automatisch Bestandteil eines Restaurantbesuchs. Dieses Mal konzentrierte ich mich viel mehr auf das Essen selbst.

Ich habe mir Zeit gelassen, neue Gerichte ausprobiert und plötzlich wieder richtig Freude daran gehabt, verschiedene Geschmäcker zu entdecken.

Einmal saß ich in einem kleinen Restaurant direkt am Wasser. Vor mir stand ein Teller mit frischem Fisch, Gemüse und Kartoffeln. Dazu hatte ich eine hausgemachte alkoholfreie Limonade.

Ich weiß noch genau, wie ich dort saß und dachte: Warum habe ich eigentlich so lange geglaubt, dass ein schöner Abend Alkohol braucht?

Die kleinen Dinge wurden wieder besonders

Das Schönste an diesem Urlaub waren gar nicht die großen Erlebnisse.

Es waren die kleinen Dinge.

Ein Kaffee am Morgen.

Barfuß durch den Sand laufen.

Ein Buch auf der Liege lesen.

Spontan einen Ausflug machen.

Abends noch einmal ins Meer gehen.

Mit Freunden lachen und mich am nächsten Morgen tatsächlich an jedes Gespräch erinnern können.

Ich hatte plötzlich viel mehr Energie und musste meine Tage nicht mehr danach planen, wann ich trinken wollte oder wann ich wieder „unter Leute“ konnte.

Natürlich gab es auch Momente, in denen es schwierig war

Mein Urlaub war nicht jeden Tag vollkommen problemlos.

Natürlich gab es Situationen, in denen Alkohol überall präsent war. An der Hotelbar, beim Abendessen, in der Werbung oder wenn andere Urlauber gemeinsam angestoßen haben.

Einmal hatte ich tatsächlich diesen kurzen Gedanken: „Ach komm, ein Glas wäre doch jetzt schön.“

Aber ich habe mir bewusst gemacht, warum ich überhaupt abstinent bin. Und ich habe mich daran erinnert, wie viele Dinge ich inzwischen gewonnen hatte.

Ich wollte diesen Urlaub nicht für ein Getränk eintauschen.

Also habe ich mir stattdessen etwas anderes bestellt und bin später noch eine Runde am Strand spazieren gegangen.

Der Moment ging vorbei.

Und am nächsten Morgen war ich unglaublich froh darüber, dass ich bei mir geblieben war.

Ich habe Fotos gemacht, an die ich mich erinnern kann

Eine Sache ist mir im Urlaub besonders aufgefallen: Ich habe viel mehr fotografiert.

Nicht nur die typischen Urlaubsbilder, sondern ganz viele kleine Momente.

Den Sonnenaufgang. Einen Markt. Eine alte Gasse. Das Meer am Abend. Unser Frühstück. Einen kleinen Hund, der jeden Morgen vor demselben Café lag.

Und als ich mir die Bilder später angesehen habe, musste ich feststellen, dass ich auf erstaunlich vielen Fotos selbst drauf war.

Früher hätte ich vielleicht gedacht: „Ach, ich sehe bestimmt total fertig aus.“

Dieses Mal sah ich einfach glücklich aus.

Das beste Souvenir war kein Gegenstand

Als ich nach Hause zurückkam, hatte ich natürlich ein paar Souvenirs im Koffer.

Aber das wichtigste Souvenir konnte ich nicht auspacken.

Es war das Gefühl, diesen Urlaub komplett erlebt zu haben.

Ich konnte mich an die Gespräche erinnern. An die Ausflüge. An die Sonnenuntergänge. An das Essen. An die kleinen lustigen Situationen und sogar an die langweiligen Momente zwischendurch.

Ich hatte nichts „verpasst“, weil ich nicht getrunken hatte.

Im Gegenteil.

Ich hatte meinen Urlaub nicht mehr durch Alkohol gefiltert.

Heute würde ich es wieder genauso machen

Mein erster Urlaub in Abstinenz hat mir etwas gezeigt, das ich vorher nicht glauben wollte: Urlaub braucht keinen Alkohol, um sich wie Urlaub anzufühlen.

Die Entspannung kommt nicht aus einer Flasche. Die Freude kommt nicht aus einem Cocktailglas. Und ein schöner Abend wird nicht dadurch schöner, dass man irgendwann nicht mehr genau weiß, wie er eigentlich geendet hat.

Ich habe gelernt, dass man neue Rituale schaffen kann.

Mein neues Urlaubsritual ist inzwischen ein alkoholfreier Cocktail am Abend, danach ein Spaziergang und am nächsten Morgen ein Kaffee mit Blick aufs Meer.

Und ganz ehrlich?

Ich möchte es nicht mehr anders haben.

Wenn du deinen ersten Urlaub ohne Alkohol planst

Falls du gerade selbst darüber nachdenkst, deinen nächsten Urlaub alkoholfrei zu verbringen, kann ich dir nur sagen: Hab keine Angst davor, dass dir etwas fehlen könnte.

Vielleicht fühlt es sich am Anfang ungewohnt an. Vielleicht gibt es Situationen, die dich herausfordern. Das ist völlig in Ordnung.

Aber gib dir die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen.

Probier alkoholfreie Getränke aus. Plane Dinge, auf die du dich wirklich freust. Geh morgens früh ans Meer. Mach einen Ausflug. Lies ein Buch. Probier ein neues Restaurant. Geh spazieren, wenn die Sonne untergeht.

Und vor allem: Erlaube dir, deinen Urlaub genauso zu genießen, wie er ist.

Denn vielleicht stellst du – genau wie ich – irgendwann fest, dass du gar nichts verloren hast.

Vielleicht hast du etwas zurückbekommen.

Dich selbst.

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