Alltag mit Prothese

🦿 Inhaltsverzeichnis

Die ersten Tage und Wochen

Gehen mit Prothese

Treppen und Stufen

  • Treppen nach oben
  • Treppen nach unten
  • Unterschiedliche Treppen und Stufen
  • Handlauf und andere Möglichkeiten zur Unterstützung
  • Sicherheit auf Treppen

Sitzen und Aufstehen

  • Richtig hinsetzen
  • Aufstehen aus einem Stuhl
  • Sofa, Sessel und niedrige Sitzmöbel
  • Aufstehen vom Boden

Autofahren

  • Autofahren mit Prothese
  • Ein- und Aussteigen
  • Anpassungen am Fahrzeug
  • Automatik oder Schaltung
  • Sicherheit und rechtliche Aspekte

Arbeit und Beruf

  • Rückkehr an den Arbeitsplatz
  • Arbeitsplatz und Arbeitsabläufe
  • Langes Sitzen oder Stehen
  • Körperlich belastende Tätigkeiten
  • Umgang mit Kollegen und Arbeitgebern
  • Berufliche Neuorientierung

Sport und Bewegung

  • Bewegung als Teil des Alltags
  • Geeignete Sportarten
  • Training langsam steigern
  • Freizeit- und Breitensport
  • Grenzen erkennen und Überlastung vermeiden

Reisen und Flugreisen

  • Reisen mit Prothese vorbereiten
  • Flugreisen
  • Sicherheitskontrollen am Flughafen
  • Gepäck und Ersatzmaterial
  • Reisen im Hotel und unterwegs
  • Was tun bei Problemen während der Reise?

Kleidung

  • Hosen und andere Kleidungsstücke
  • Was bei verschiedenen Prothesen praktisch sein kann
  • Kleidung an- und ausziehen
  • Kleidung im Sommer und Winter
  • Tipps für einen unkomplizierten Alltag

Schuhe

  • Geeignete Schuhe im Alltag
  • Schuhe wechseln
  • Verschiedene Sohlen und Absatzhöhen
  • Schuhe an- und ausziehen
  • Was bei längeren Strecken wichtig sein kann

Duschen und Baden

  • Sicher duschen
  • Ein- und Aussteigen aus der Badewanne
  • Rutschgefahr und Haltemöglichkeiten
  • Badezimmer sicher gestalten
  • Was im Alltag praktisch ist

Freizeit und Unternehmungen

  • Ausgehen und Veranstaltungen
  • Kino, Restaurant und Café
  • Spaziergänge und Ausflüge
  • Freizeitparks und andere Unternehmungen
  • Längere Tage unterwegs

Sexualität und Partnerschaft

  • Nähe und Intimität
  • Körpergefühl und Selbstbewusstsein
  • Praktische Fragen im Alltag
  • Offen miteinander sprechen
  • Umgang mit Unsicherheiten

Umgang mit anderen Menschen

  • Blicke und neugierige Fragen
  • Wie viel möchte ich erzählen?
  • Umgang mit Kindern
  • Reaktionen fremder Menschen
  • Selbstbewusst auftreten
  • Grenzen setzen

Barrierefreiheit im Alltag

  • Öffentliche Gebäude
  • Wege, Gehwege und öffentliche Plätze
  • Öffentliche Verkehrsmittel
  • Aufzüge und Rolltreppen
  • Toiletten und andere Einrichtungen
  • Was tun, wenn Barrierefreiheit fehlt?

Hilfsmittel im Alltag

  • Praktische Hilfen für zu Hause
  • Hilfen beim An- und Ausziehen
  • Hilfen in Küche und Haushalt
  • Hilfen unterwegs
  • Kleine Alltagshilfen, die vieles einfacher machen

Was nach der ersten Versorgung im Alltag anders ist

DIE ERSTEN TAGE UND WOCHEN

Nach einer Amputation stehen zunächst die Wundheilung und die Erholung des Körpers im Vordergrund. Der Stumpf ist in dieser Phase noch nicht stabil: Schwellungen gehen zurück, das Volumen verändert sich und auch die Form kann sich in den ersten Monaten noch deutlich verändern. Deshalb wird häufig zunächst (sobald binnen weniger Monate die Wundheilung abgeschlossen ist) eine sogenannte Interims- oder Testprothese eingesetzt. Sie kann während dieser Phase immer wieder angepasst werden, bevor später eine endgültige Prothese gefertigt wird.

Auch die Rehabilitation beginnt nicht erst mit der fertigen Prothese. Physiotherapie und gezieltes Training helfen dabei, Beweglichkeit, Kraft, Gleichgewicht und die Muskulatur rund um den Stumpf wieder aufzubauen. Wann die erste Prothese angepasst werden kann und wie lange die Übergangsphase dauert, ist allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Meine eigene Erfahrung

Bei mir war die Situation nach der Amputation zunächst einmal ganz anders, als man sich das vielleicht vorstellt. Nach meinem Unfall am 1. Januar 2024 war ich zunächst einige Tage auf der Intensivstation und anschließend ungefähr vier Wochen auf der Unfallchirurgie. An ein normales Leben mit Prothese war zu diesem Zeitpunkt natürlich noch überhaupt nicht zu denken.

Nach meiner Entlassung musste ich ungefähr drei Monate zu Hause im Rollstuhl verbringen. Meine erste Testprothese durfte erst angefertigt werden, als die Narben ausreichend verheilt waren und die Krusten verschwunden waren. Das war für mich natürlich eine ziemlich lange Zeit. Man möchte irgendwann einfach wieder auf eigenen Beinen stehen und sich selbstständig bewegen können – aber der Körper gibt dabei nun einmal das Tempo vor.

Anfang April 2024 war es dann endlich soweit: Ich bekam meine erste Testprothese. Dass es zunächst eine Testprothese war, hatte einen guten Grund. Der Stumpf verändert sich gerade in den ersten Monaten noch deutlich, und deshalb wäre es wenig sinnvoll gewesen, gleich eine endgültige Prothese anzufertigen. Auch bei mir sollte sich später noch einiges verändern.

Insgesamt habe ich im Laufe dieser Zeit vier Testprothesen bekommen. Jede wurde wieder an die aktuelle Form und Größe meines Stumpfes angepasst. Die Testprothesen waren dabei etwas anders aufgebaut als meine spätere endgültige Prothese. Sie bestanden ungefähr zu 70 Prozent aus Carbon, während der obere Bereich aus Kunststoff gefertigt war. Das hatte den praktischen Vorteil, dass mein Prothesentechniker den Kunststoff in der Werkstatt noch mit Heißluft bearbeiten und kleinere Änderungen vornehmen konnte.

Allerdings hatte ich mit den Testprothesen auch ein bisschen Pech. Bei drei von vier Testprothesen ist mir der obere Kunststoffbereich gebrochen. Mein Prothesentechniker gab mir damals einen ziemlich einfachen, aber hilfreichen Tipp: Für den Übergang sollte ich die Stelle mit ungefähr 10 bis 15 Lagen Panzertape verstärken. Und er meinte ausdrücklich: nicht am Tape sparen. 😂 Das habe ich dann auch so gemacht – und tatsächlich hat es funktioniert und die Prothese konnte erst einmal weiter benutzt werden.

Nach ungefähr sechs Monaten und insgesamt vier Testprothesen war es dann soweit: Ich bekam meine erste endgültige Prothese. Die ist im Gegensatz zu den Testprothesen komplett fertig und besteht bei mir bis oben hin aus Carbon. Für mich war das natürlich noch einmal ein ganz anderes Gefühl, weil ich wusste: Jetzt habe ich nicht mehr nur eine Übergangslösung, sondern meine erste richtige Definitivprothese.

Was ich persönlich am Anfang besonders deutlich gemerkt habe: Eine Prothese fühlt sich zunächst tatsächlich wie ein Fremdkörper an. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass da plötzlich etwas an meinem Körper ist, das vorher nicht da war. Die Bewegungen fühlen sich anders an, und gerade am Anfang denkt man bei fast jedem Schritt darüber nach. Heute ist das bei mir ganz anders. Ich habe mich inzwischen so sehr daran gewöhnt, dass sich die Prothese für mich im Alltag ganz selbstverständlich anfühlt.

Parallel dazu habe ich direkt mit der Physiotherapie angefangen. Dabei ging es unter anderem darum, die Muskulatur am Stumpf wieder aufzubauen und meinen Körper an die neue Situation zu gewöhnen. Gerade am Anfang merkt man schnell, dass bestimmte Bewegungen, die vorher völlig selbstverständlich waren, plötzlich wieder richtig trainiert werden müssen.

Treppen waren für mich am Anfang übrigens eine echte Herausforderung. Das wurde mit der Zeit zwar immer besser, aber gerade die ersten Versuche waren alles andere als selbstverständlich. Wie ich damit umgegangen bin und was mir dabei geholfen hat, erzähle ich später noch ausführlicher im eigenen Abschnitt „Treppen und Stufen“.


Eingewöhnung

Die Eingewöhnung an eine Prothese braucht Zeit. Gerade am Anfang müssen viele Bewegungsabläufe erst wieder neu gelernt werden. Das betrifft nicht nur das Gehen selbst, sondern auch das Gleichgewicht, das Vertrauen in die eigene Bewegung und das Gefühl dafür, wie sich der Körper mit der Prothese verhält. Deshalb ist es völlig normal, zunächst mit kleinen Schritten und in einer vertrauten Umgebung zu beginnen.

Mit zunehmender Sicherheit können die Wege langsam erweitert werden. Auch Aktivitäten wie Treppensteigen, Gleichgewichtstraining oder Sport sollten anfangs vorsichtig und möglichst unter Anleitung aufgebaut werden. Entscheidend ist nicht, möglichst schnell wieder alles zu können, sondern dem eigenen Körper die Zeit zu geben, die er dafür braucht.

Meine eigene Erfahrung

Bei mir fing die Eingewöhnung ganz klein an. Zuerst habe ich mich nur zu Hause mit meiner Prothese fortbewegt. In den ersten Tagen habe ich dabei sogar meinen Rollstuhl vor mir hergeschoben und ihn quasi als Gehhilfe benutzt. Das hört sich heute vielleicht etwas lustig an, aber damals hat mir das einfach Sicherheit gegeben. Ich hatte etwas vor mir, an dem ich mich im Notfall hätte festhalten können.

Danach habe ich langsam angefangen, zu Hause freier zu gehen. Erst nur kurze Strecken und immer mit dem Gefühl: Mal schauen, ob das jetzt funktioniert. Vieles war am Anfang noch ungewohnt und ich war natürlich vorsichtig.

Etwa drei Wochen später begann dann meine Reha wegen meiner Suchterkrankung. Die Reha hatte eigentlich überhaupt nichts mit meiner Prothese zu tun, aber für mich war sie trotzdem ein wichtiger Schritt, weil ich dort plötzlich nicht mehr nur zu Hause war. Zur Sicherheit hatte ich meinen Rollstuhl sogar mitgenommen. Gebraucht habe ich ihn zum Glück nicht.

Die Klinik hatte einen Aufzug, was gerade am Anfang sehr praktisch war. Ich musste also nicht ständig irgendwelche Treppen bewältigen. Trotzdem wollte ich irgendwann wissen, ob ich mich mit meiner Prothese auch draußen zurechtfinden würde.

In den ersten Tagen der Reha habe ich mich dann tatsächlich zum ersten Mal getraut, mit meiner Prothese nach draußen zu gehen. Mein erstes Ziel war der Supermarkt direkt gegenüber der Klinik. Ich hatte dabei einen anderen Rehabilitanten bei mir, was mir natürlich zusätzlich Sicherheit gegeben hat.

Im Supermarkt habe ich mich zwar am Einkaufswagen festgehalten, aber das freie Gehen hat funktioniert. Langsam, vorsichtig und wahrscheinlich ziemlich wackelig – aber es ging. Und genau dieses erste Erlebnis war für mich wichtig. Ich hatte gemerkt: Ich kann tatsächlich mit meiner Prothese rausgehen und mich außerhalb meiner Wohnung bewegen.

Mit der Zeit wurde ich immer mutiger. Meine Reha dauerte insgesamt neun Wochen und ungefähr im letzten Drittel habe ich mich dann sogar an die Treppen der vier Stockwerke der Klinik gewagt. Natürlich nicht einfach so. Ich bin ganz langsam gegangen und habe mich am Geländer festgehalten. Es war wackelig und alles andere als elegant, aber ich bin die Treppen hochgekommen.

Auch beim Sport habe ich während der Reha mitgemacht. In den ersten zwei Dritteln habe ich hauptsächlich den Hometrainer benutzt, also Fahrrad gefahren. Später kamen dann Übungen mit Fitnessbändern und Gleichgewichtstraining dazu. Auch dabei habe ich es sehr vorsichtig angehen lassen. Ich wollte meinen Körper nicht überfordern und musste erst einmal herausfinden, was mit der Prothese überhaupt möglich ist.

Wenn ich heute daran zurückdenke, war diese Zeit für mich eigentlich ein langsames Herantasten an ein neues Leben. Ich habe nicht an einem Tag plötzlich alles gekonnt. Es waren viele kleine Schritte, bei denen ich jedes Mal ein bisschen mehr Vertrauen bekommen habe. Erst die Wohnung, dann der Supermarkt, irgendwann vier Stockwerke Treppen – und plötzlich merkt man, dass man schon viel weiter gekommen ist, als man am Anfang gedacht hätte.


Umgang mit Unsicherheit und ungewohnten Bewegungen

Nach einer Amputation müssen viele alltägliche Bewegungen zunächst neu erlernt werden. Die Prothese bewegt sich nicht automatisch so selbstverständlich wie ein natürlicher Körperteil, und gerade am Anfang kann deshalb Unsicherheit entstehen. Das eigene Körpergefühl verändert sich, Bewegungsabläufe müssen neu koordiniert werden und viele Dinge brauchen zunächst mehr Zeit und Aufmerksamkeit.

Mit zunehmender Erfahrung werden viele Bewegungen jedoch wieder selbstverständlicher. Was anfangs bewusst und vorsichtig ausgeführt wird, kann nach und nach zur Routine werden. Auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wächst normalerweise mit den eigenen Erfahrungen.

Meine eigene Erfahrung

Nach meinem Unfall hatte ich während der vier Wochen auf der Unfallchirurgie sehr viel Zeit zum Nachdenken. Ich habe in dieser Zeit mein bisheriges Leben noch einmal ziemlich genau betrachtet und für mich festgestellt, dass ich über viele Jahre sehr unvorsichtig gewesen war. Seitdem hat sich meine Denkweise grundlegend verändert. Ich bin heute allgemein viel vorsichtiger als früher – und das hat sich natürlich auch auf meinen Umgang mit meiner Prothese übertragen.

Gerade am Anfang habe ich deshalb sehr genau aufgepasst. Ich habe Bewegungen lieber einmal langsamer gemacht und dafür sicher, anstatt irgendetwas zu überstürzen. Das hatte natürlich auch zur Folge, dass vieles länger gedauert hat. Aber für mich war das vollkommen in Ordnung. Ich wollte erst einmal lernen, was mit meiner Prothese funktioniert und wo ich vorsichtiger sein muss.

Das Gehen selbst war anfangs ziemlich humpelnd. Ich musste mich erst an die Bewegungen gewöhnen und herausfinden, wie ich meinen Körper einsetzen muss. Mit der Zeit wurde es aber immer besser. Und wenn ich heute zurückblicke, bin ich selbst ein bisschen erstaunt, wie selbstverständlich das inzwischen geworden ist.

Mittlerweile ist meine Gangart tatsächlich komplett wie vor dem Unfall. Wenn ich geradeaus gehe, sieht man mir beim Gehen keinen Unterschied mehr an. Gerade wenn ich eine lange Hose trage, merken Menschen, die mich noch nicht kennen und nichts von meiner Prothese wissen, teilweise überhaupt nicht, dass ich eine Prothese trage.

Das ist für mich natürlich ein ziemlich schönes Gefühl, wenn ich daran denke, wie das am Anfang einmal ausgesehen hat. Damals musste ich über jeden Schritt nachdenken, heute gehe ich einfach los.

Eine Ausnahme sind die Treppen. Dort gehe ich noch anders als früher. Das stört mich persönlich aber überhaupt nicht. Ich muss schließlich nicht bei jeder Bewegung genauso aussehen wie vor dem Unfall. Für mich ist entscheidend, dass ich mich sicher und selbstständig bewegen kann.

Auch das Autofahren funktioniert bei mir inzwischen problemlos. Ich habe dabei sogar ein bisschen Glück im Unglück gehabt: Bei mir hat es den linken Fuß erwischt. Dadurch musste mein Auto nicht umgebaut werden. Ich fahre allerdings nur noch Automatik, weil ich mit meiner Prothese natürlich nicht mehr einfach ein Fahrzeug mit Schaltung fahren kann. Auf das Thema Autofahren gehe ich später noch ausführlicher ein.

Was ich rückblickend besonders interessant finde: Die Unsicherheit und das ungewohnte Gefühl sind nicht plötzlich an einem bestimmten Tag verschwunden. Das Ganze ist schleichend immer weniger geworden. Ich habe das während dieser Zeit gar nicht so richtig bemerkt, weil es einfach sehr langsam ging.

Erst wenn ich heute darüber nachdenke und vergleiche, wie es am Anfang war und wie es jetzt ist, wird mir bewusst, wie viel sich verändert hat. Aus vielen Bewegungen, bei denen ich früher vorsichtig und unsicher war, sind ganz normale Bewegungsabläufe geworden.

Und genau das macht mir persönlich Mut: Man muss am Anfang nicht alles können. Wenn man immer wieder übt und sich selbst die notwendige Zeit gibt, kann sich unglaublich viel verändern. Bei mir hat es gedauert – aber heute ist von der anfänglichen Unsicherheit im normalen Alltag kaum noch etwas übrig.


Was am Anfang besonders wichtig ist

Gerade in der ersten Zeit mit einer Prothese sollte die eigene Sicherheit an erster Stelle stehen. Bewegungen, die später selbstverständlich werden, können anfangs noch unsicher sein. Deshalb ist es sinnvoll, sich nicht zu früh zu viel zuzutrauen und neue Situationen Schritt für Schritt auszuprobieren.

Auch regelmäßige Physiotherapie ist gerade am Anfang sehr wichtig. Dort können Bewegungsabläufe gezielt trainiert und Unsicherheiten erkannt werden. Ebenso wichtig ist der regelmäßige Austausch mit dem zuständigen Prothesentechniker. Wenn etwas drückt, nicht richtig sitzt oder sich bei der Nutzung ungewöhnlich anfühlt, sollte man lieber einmal zu viel nachfragen als zu wenig.

Meine eigene Erfahrung

Ich war am Anfang trotz meiner Vorsicht mehrfach gestürzt. Besonders Bordsteine waren für mich eine echte Herausforderung. Man denkt irgendwann, man hat das Gehen eigentlich ganz gut drauf – und dann reicht eine kleine Unebenheit und plötzlich liegt man da.

Bei einem meiner Stürze habe ich mir sogar einen Finger gebrochen. Der ist leider ziemlich ungünstig verheilt und muss eigentlich noch operiert werden. Ich schiebe das momentan ehrlich gesagt etwas vor mir her. 😂 Aber ich weiß auch, dass ich irgendwann nicht mehr drum herumkommen werde.

Gerade deshalb würde ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen: Am Anfang lieber übervorsichtig sein als nur vorsichtig. Man sollte sich nicht zu früh in Sicherheit wiegen, nur weil das Gehen auf gerader Strecke inzwischen ganz gut funktioniert. Draußen gibt es einfach viele Situationen, die man vorher nicht unbedingt auf dem Schirm hat – Bordsteine, Unebenheiten, nasse Böden oder plötzlich auftauchende Hindernisse.

Ich habe selbst gemerkt, dass es seine Zeit dauert, bis man wirklich sicherer wird. Man sollte sich diese Zeit auch geben und nicht denken: „Das müsste ich doch jetzt langsam können.“ Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo.

Was mir ebenfalls sehr geholfen hat, war die Physiotherapie. Ich würde jedem empfehlen, gerade am Anfang möglichst konsequent zu den Terminen zu gehen, die Übungen ernst zu nehmen und auf die Tipps der Physiotherapeuten zu hören. Manche Dinge fühlen sich vielleicht zunächst unnötig oder übertrieben an, aber später merkt man oft, warum bestimmte Bewegungen immer wieder trainiert wurden.

Und noch einen Tipp würde ich aus meiner Erfahrung unbedingt weitergeben: Haltet engen Kontakt zu eurem Prothesentechniker. Wenn etwas nicht richtig sitzt, drückt, wackelt oder sich einfach komisch anfühlt, lieber einmal mehr anrufen und nachfragen. Dafür ist der Techniker schließlich da.

Ich habe jedenfalls gelernt, dass man nicht alles selbst herausfinden muss. Manchmal ist ein kurzer Anruf viel sinnvoller, als tagelang mit einem Problem herumzulaufen und zu hoffen, dass es von alleine besser wird.


Sicheres Gehen auf verschiedenen Untergründen

Nicht jeder Untergrund lässt sich mit einer Prothese gleich leicht bewältigen. Auf ebenen und festen Wegen ist das Gehen meist einfacher, während Unebenheiten, lose Steine oder unregelmäßige Flächen mehr Aufmerksamkeit und ein gutes Gleichgewicht erfordern. Gerade am Anfang ist es deshalb sinnvoll, neue Untergründe langsam kennenzulernen und sich nicht sofort zu viel zuzutrauen.

Mit zunehmender Erfahrung entwickelt man ein besseres Gefühl dafür, wie sich die Prothese auf unterschiedlichen Untergründen verhält. Bewegungen, die anfangs noch viel Konzentration erfordern, können mit der Zeit immer selbstverständlicher werden.

Meine eigene Erfahrung

Nachdem ich schon etwas fortgeschrittener war und mit meiner Prothese im Alltag ganz gut zurechtkam, musste ich trotzdem noch sehr genau auf den Untergrund achten. Ein ebener Weg war natürlich irgendwann kein großes Problem mehr. Sobald es aber uneben wurde, musste ich mich deutlich mehr konzentrieren.

Heute ist das glücklicherweise wesentlich einfacher geworden.

Bei einem Schotterweg war es ähnlich. Wenn der Weg einigermaßen eben war, konnte ich problemlos darüber laufen. Sobald größere Unebenheiten kamen, musste ich anfangs wieder sehr aufpassen. Mittlerweile komme ich damit aber ebenfalls ziemlich gut zurecht.

Kopfsteinpflaster war für mich anfangs allerdings der Endgegner. 😂

Das war wirklich ein Untergrund, bei dem ich mich am Anfang sehr konzentrieren musste. Jeder einzelne Schritt fühlte sich anders an und ich wollte natürlich nicht plötzlich wegrutschen oder das Gleichgewicht verlieren.

Heute ist selbst Kopfsteinpflaster kaum noch ein Problem. Ich gehe darüber zwar immer noch etwas bewusster als über einen schönen, glatten Gehweg, aber ich muss mir dabei keine großen Gedanken mehr machen.

Eine Sache hat sich durch meine Prothese allerdings dauerhaft verändert: Ich schaue beim Gehen je nach Untergrund häufiger auf den Boden.

Gerade am Anfang haben manche Menschen gedacht, mit mir wäre irgendetwas nicht in Ordnung, weil ich beim Gehen relativ oft nach unten geschaut habe. Der Grund war aber eigentlich ganz einfach: Ich musste sehen, worauf ich gerade trete.

Mittlerweile schaue ich nicht mehr ständig nach unten. Ich mache das eigentlich nur noch gezielt bei bestimmten Situationen – zum Beispiel auf Treppen, auf Kopfsteinpflaster oder wenn ich querfeldein über eine Wiese oder ein Feld laufe.

Und als Dorfkind kommt das bei mir natürlich durchaus mal vor. 😂

Gerade beim Gehen über eine Wiese oder einen unebenen Feldweg kann ich mich nicht darauf verlassen, dass jeder Schritt gleich ist. Da schaue ich lieber einmal mehr auf den Boden und weiß, was vor mir kommt.

Im normalen Alltag denke ich darüber inzwischen kaum noch nach. Ich habe einfach gelernt, welche Untergründe mehr Aufmerksamkeit brauchen und wann ich einfach loslaufen kann. Das ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie sich vieles mit der Zeit ganz automatisch entwickelt.


Bordsteine und kleine Hindernisse

Bordsteine und andere kleine Hindernisse wirken auf den ersten Blick vielleicht unspektakulär, können mit einer Prothese aber gerade am Anfang eine echte Herausforderung sein. Die Höhe eines Bordsteins richtig einzuschätzen und das Prothesenbein entsprechend anzuheben, muss zunächst gelernt werden. Auch höhere Bordsteine, Absätze oder andere Hindernisse sollten bewusst und mit entsprechender Aufmerksamkeit überwunden werden.

Mit zunehmender Erfahrung wird aus dieser bewussten Bewegung irgendwann eine ganz normale Alltagssituation. Trotzdem ist es sinnvoll, bei ungewöhnlich hohen Hindernissen weiterhin aufmerksam zu bleiben und sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

Meine eigene Erfahrung

Bei mir hat es ziemlich lange gedauert, bis ich wirklich ein Gefühl dafür hatte, wie hoch ich mein Prothesenbein anheben muss, um einen Bordstein hochzugehen.

Genau deshalb bin ich am Anfang auch mehrfach an Bordsteinen gestürzt. Ich habe das Prothesenbein einfach nicht hoch genug bekommen und bin dadurch hängen geblieben. Einer meiner Stürze hat mir sogar den Finger gebrochen, wie ich weiter oben schon erzählt habe.

Heute ist das komplett anders. Ich muss bei einem normalen Bordstein nicht einmal mehr bewusst hinschauen. Ich weiß einfach, wie ich mein Bein anheben muss, und mache es automatisch. Aber bis ich diesen Punkt erreicht hatte, hat es viele Monate Übung gebraucht.

Bei höheren Hindernissen bin ich allerdings auch heute noch vorsichtiger. Dazu gehören zum Beispiel besonders hohe Bordsteine an Bushaltestellen, größere Absätze oder auch Wandvorsprünge, die plötzlich im Weg sein können. Solche Situationen sollte man meiner Meinung nach immer etwas bewusster angehen – auch wenn man schon seit Jahren eine Prothese trägt.

Was sich mit der Zeit verändert, ist eigentlich gar nicht unbedingt, dass man weniger aufpasst. Vielmehr wird das Aufpassen irgendwann zur Selbstverständlichkeit.

Dieses extreme Aufpassen, das mich am Anfang bei jedem kleinen Hindernis begleitet hat, ist heute einfach nicht mehr da. Ich mache die Bewegung automatisch und denke gar nicht mehr darüber nach. Wenn aber etwas ungewöhnlich hoch oder anders als gewohnt ist, schaltet sich die Aufmerksamkeit sofort wieder ein.

Ich habe inzwischen auch sehr viel Vertrauen in die Stabilität meiner endgültigen Carbonprothese. Dadurch kann ich beispielsweise auch aus etwas größeren Höhenunterschieden auftreten, ohne ständig Angst haben zu müssen, dass meine Prothese das nicht aushält.

Meine Prothese ist für die Belastungen im Alltag ausgelegt. Viele Bauteile bestehen aus sehr stabilen Materialien wie Carbon und Titan. Carbon wird beispielsweise auch in der Luftfahrt und im Motorsport eingesetzt und verbindet ein geringes Gewicht mit hoher Festigkeit. Das gibt mir persönlich viel Vertrauen in mein Hilfsmittel.

Natürlich bedeutet das nicht, dass man mit einer Prothese völlig sorglos mit jedem Hindernis umgehen sollte. Aber dieses Vertrauen ist für mich ein wichtiger Teil des normalen Alltags geworden. Ich weiß heute einfach, dass meine Prothese einiges aushält – und genau dieses Vertrauen hatte ich am Anfang noch überhaupt nicht.


xxxxx